Samstag, 30. Dezember 2017


Meine sechste  #beste Schreibempfehlung




VERGLEICHE DICH NICHT MIT ANDERN

„Don't read reviews. Don't worry about sales. Don't compare yourself to other people“, sagt die Bestseller-Autorin und Vielschreiberin Amanda Hocking in ihrem lesenswerten Essay «How to Give Yourself Writer's Block.»

Warum? Weil dieses Verhalten Deine Versagensängste verstärkt und Dich blockieren kann. Sobald Du glaubst, andere übertrumpfen zu müssen, wirst Du Dich verkrampfen. So kannst Du dann auch nicht mehr Dein Bestes geben.

Ausserdem wird es immer jemanden geben, dem Dein Text nicht gefälllt. Rückmeldungen sind nur hilfreich, wenn sie Messbares feststellen, gegen das Du etwas unternehmen kannst. Etwa dass Dein Text viele Tippfehler enthält. Dass die Formatierung nicht richtig ist, dass neue Hauptkapitel nicht auf einer neuen Seite beginnen.

Doch machen wir uns nichts vor: Diese Haltung, also das sprichwörtlich dicke Fell, zu entwickeln, kostet Kraft – oder Zeit. Wie an so vieles gewöhnt man sich auch an schlechte Kritiken und denkt dann achselzuckend, dass sie die übrigen, guten realistischer wirken lassen.

Warum es müssig und nutzlos ist, sich mit erfolgreicheren Kolleginnen und Kollegen zu vergleichen, brauche ich sicher nicht zu erklären. Wenn Du Dich bei solchen Gedanken erwischst, solltest Du Dich sogleich daran erinnern, dass es Zeitverschwendung ist, darüber nachzugrübeln und deprimiert zu sein, weil ein Studienkollege längere und bessere Texte schreibt als Du. Vor allem solltest Du es schon deshalb nicht tun, weil es Deine Schreiblust hemmt.

Umgekehrt darfst Du Dich natürlich von positiven Rückmeldungen beflügeln lassen, das sollst Du sogar, weil so Dein Schreiben einer selbsterfüllenden Prophezeiung unterliegt, so dass Du über kurz oder lang gar nicht  anders kannst, als gute Texte zu verfassen.

Christoph Frei

https://www.facebook.com/Textredaktion/

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Meine fünfte #beste Schreibempfehlung



HÖR AUF, WENN ES AM BESTEN LÄUFT

Hör auf, wenn es gerade besonders gut läuft. Ernest Hemingway hat seinen Tipp gegen Schreibblockaden so formuliert: «The best way is always to stop when you are going good and when you know what will happen next. If you do that every day … you will never be stuck.»

Du sollst also mit dem Schreiben aufhören (für den Tag), wenn Du weisst, wie es weitergeht. Dann, so der amerikanische Literatur-Nobelpreisträger, steckst Du nämlich nie fest. Klingt irgendwie logisch. Andere wie Marcus Johanus gehen noch einen Schritt weiter und empfehlen, mitten im Satz aufzuhören. Ich selbst benutze diese Methode freilich nie. Ja, sie ist mir irgendwie zuwider. Wenn ich weiss, wie es weitergeht, schreibe ich es auf. Getrieben von der Angst, dass ich sonst diesen brillanten Einfall vergesse. Wenn die Zeit knapp ist, notiere ich mir zur Not Stichwörter.

Weil dies meine Haltung ist, verfasse ich auch selten einen Text nach und nach vom Anfang bis zum Ende. Wenn mir etwas einfällt, eine treffendes Argument zum Beispiel, tippe ich es in den Computer oder schreibe es in ein Notizbuch und dann in den PC, selbst wenn es sich um das Ende einer ausgreifenden Textanalyse handelt.

Normalerweise glauben die Leute, dass ich als sogenanner Freiberufler so viel Zeit beziehungsweise so wenig feste Termin habe, dass ich nicht abbrechen muss, wenn die Ideen sprudeln. Ich gehe häufig um die Mittagszeit ins Fitnessstudio, aber nie zu einem Kurs, da diese zu einer bestimmten Uhrzeit beginnen. Denn dann wäre ich eventuell gezwungen zu stoppen, wenn es gerade gut läuft, nur um pünktlich zu sein. Aber vielleicht ist Hemingways Vorgehensweise etwas für Dich. Viele schwören jedenfalls darauf!

Christoph Frei

Montag, 25. Dezember 2017

Meine vierte #beste Schreibempfehlung



DIE DONE-LISTE

Die Methode, das Schreiben zur Gewohnheit zu machen, wirkt nach meiner Erfahrung auch, wenn man einmal aus wichtigen Gründen aussetzt. Mit wichtig ist zum Beispiel eine Krankheit oder dringende Termine gemeint. Danach macht man wie gewohnt weiter und ist – im positiven Sinne – wieder im alten Trott.


Die Betonung liegt auf nach meiner Erfahrung. Die sogenannte «Done-Liste» ist eine Verwandte der «To-Do-Liste», aber viel angenehmer und motivierender. «To-Do-Listen» schüchtern ein, denn jeden Abend führen sie uns das eigene Versagen vor Augen, nämlich all die Dinge, die wir doch wieder nicht erledigt haben. Wie viel freundlicher ist da die «Done-Liste»: Jeden Tag trägt man ein, was man alles geschafft hat, und staunt und freut sich. Dieser Trick eignet sich, um in vielen verschiedenen Bereichen produktiver zu werden. Doch hier geht es ums Schreiben. Deshalb berichte ich kurz über meine eigenen Erfahrungen. Ich verwende seit Anfang des Jahres (2013) eine «Done-Liste» und bis jetzt wirkt sie sehr motivierend, sprich: Ich zögere weniger, mit dem Schreiben zu beginnen, und produziere mehr. Ich notiere zweimal am Tag, was ich geschrieben habe, wenn es passt, auch wie viel. Oder was ich sonst erledigt habe. Weil das so ein gutes Gefühl ist, sage ich mir oft: „Komm, an diesem Text kannst du auch noch ein wenig arbeiten.“ Nur damit ich es auch noch in die «Done-Liste» aufnehmen kann und sie noch mehr Punkte enthält. Ich kennzeichne auch, ob es Vormittag oder Nachmittag war, und möchte auswerten, wann ich besonders produktiv bin (morgens, abends, an welchen Tagen?)


Du kannst auch einen Kalender benutzen und der Kettenidee das Drohende, Zwanghafte nehmen, indem Du in einer schönen Farbe die Tage markierst, an denen Du ein Schreibziel erreicht hast. Beispielsweise jeden Tag, an dem Du 1000 Wörter oder mehr produziert hast. Am Ende jedes Monats notierst Du ausserdem auf Deinem Kalender die gesamte Wortzahl.


Damit hast Du im Vergleich zur «Don’t break the chain» Methode die Perspektive gewechselt: Du freust Dich jetzt über die erfolgreichen Tage und Monate und lässt Dich durch das beflügeln, was Du vollbracht hast. Als positiver Mensch reagierst Du möglicherweise besser auf Lob und Aufmunterung als auf Tadel und Einschüchterung («Unterbrich die Kette nicht!»). Vielen ist alles, was auf Zwang hinausläuft, suspekt und macht sie widerspenstig oder gar störrisch. Mit andern Worten könnte für Dich auch der Ausspruch gelten: «Why To-Do Lists Don’t Work and Done Lists Do.»


Christoph Frei




Samstag, 16. Dezember 2017

Meine dritte #beste Schreibempfehlung


SPRICH MIT DIR SELBST:

Führe Selbstgespräche. Wenn Du spontan im Kopf formulierst, ist der Druck geringer. Es wird ja nichts festgeschrieben. Es zählt ja noch nichts. Du spielst nur oder fantasierst. Beim Spazieren, beim Joggen oder beim Autofahren.

Die Aufforderung, Selbstgespräche zu führen, zeigt im Wesentlichen, dass es fast allen Schreibenden zuweilen an guten Einfällen mangelt. Natürlich macht das Angst, so dass die meisten (und ich gehöre auch dazu) dann der Tendenz unterliegen, das Schreiben hinauszuschieben oder gar zu verschleppen.

Um dem vorzubeugen, kannst Du Dir einige Tricks aneignen, indem Du zum Beispiel auf dem Weg zur Bibliothek, ins Seminar oder in der Strassenbahn mit Dir selber sprichst, indem Du Dich an den Artikel oder die Passage, die Du schreiben sollst, gedanklich akklimatisierst. Mit andern Worten spielst Du den Einstieg in den Text in Gedanken einige Male für Dich durch. Nach einer Viertelstunde weisst Du in der Regel, wie Du Dein angefangenes Textgewebe weiterknüpfen willst. (Für diesen Zweck solltest Du natürlich immer Papier und Bleistift oder einen Laptop bei Dir haben. Vielleicht erinnerst Du Dich noch an den Satz von Max Frisch, dem zufolge die besten Ideen auf dem Weg zum Schreibtisch vergessen gehen.)

Und wäre Dir das alles erst am Schreibtisch eingefallen, so wäre die Hemmschwelle, es niederzuschreiben, deutlich grösser, vielleicht aus Angst, etwas Banales auszuformulieren, oder es wäre Dir eben nichts eingefallen wegen des gefühlten Zwangs, sogleich etwas Gehaltvolles festhalten zu müssen, anstatt zuerst einmal Deinen Gedanken nachzuhängen.


Christoph Frei

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Montag, 11. Dezember 2017

Meine zweite #beste Schreibempfehlung 




MIKROSCHRITTE:

I love writing. I hate starting to write.” Dean Wesley Smith. So wie Smith, geht es vermutlich vielen anderen ebenfalls. Er empfiehlt, täglich zu schreiben und öffentlich (in einem Blog zum Beispiel) Rechenschaft über die produzierten Wörter abzulegen.

Ich persönlich glaube, dass ausserdem die Macht der Gewohnheit auf seiner Seite steht. Wenn etwas nämlich zur Gewohnheit wird, etwa das tägliche Schreiben, müssen wir uns nicht jedes Mal aufs Neue entscheiden, ob wir es tun wollen oder nicht. Es geschieht automatisch.

Was kannst Du tun, bis so eine Gewohnheit sich ausbildet? In der konkreten Situation, wenn Du weisst, Du musst oder willst eigentlich schreiben, Deine inneren Widerstände jedoch zu gross sind, was machst Du dann?

Statt zu prokrastinieren, nimmst Du Dir etwas vor, das alles andere als einschüchternd wirkt. Die Gliederung Deiner Hausarbeit und vorläufige Überschriften einzugeben oder eine halbe Stunde an Deinem Text zu schreiben. Die Erfahrung zeigt, dass man meistens weitermacht, wenn der erste Widerstand überwunden ist. Und sollte dies doch einmal nicht der Fall sein, hast Du zumindest etwas geschafft, was mehr ist als gar nichts. Doch Du kannst es Dir noch leichter machen! Mit einer Methode, die «Mikroschritte« genant wird.

Der Autor Richard Ridley zum Beispiel nimmt sich vor, ein Wort pro Tag zu schreiben. Natürlich lässt er es nicht damit bewenden. „My goal while writing a book is to write one word a day. Not only have I never come short of my goal, I have far exceeded that one-word-a-day benchmark every single time, occasionally by as much as 6,000 times“, schreibt er. Jedes Mal hat er also sein Soll übererfüllt, und zwar erheblich.

Das erstaunt wohl niemanden. Die Anfangshürde war so lächerlich niedrig, dass sie selbst auf extrem ängstliche Menschen nicht bedrohlich wirken konnte. Falls Du jedoch jemand bist, den selbst ein Ziel von einem Wort pro Tag einschüchtert, dann nimm Dir doch vor, nur die Datei zu öffnen oder Dich ein Mal mehr im Bett zu drehen. Diesen Tipp habe ich im Blog von Franz Grieser entdeckt, der ihn bei Mark Forster gefunden hat. Weniger Einstiegsschwelle geht nicht!

Alle Mini- und Mikroschritte bewirken dasselbe: Sie nehmen unserem Schreiben das Bedeutsame, wir haben nicht mehr das Gefühl, dass ein Fehler, den wir in diesem alles entscheidenden Kapitel machen könnten, über unsere gesamte Zukunft als Autoren bestimmt. Was kann schon passieren? Wir öffnen doch nur die Datei, wir schreiben doch nur ein Wort, wir wollen doch nur spielen.



Christoph Frei



Sonntag, 10. Dezember 2017

Meine erste #beste Schreibempfehlung






 DON’T BREAK THE CHAIN:

Die Ermahnung «Don’t break the chain» wird dem amerikanischen Comedian Jerry Seinfeld zugeschrieben. Das Prinzip entspricht in etwa dem, was Thomas Mann in seiner Erzählung «Tod in Venedig» mit «motus animi continuus» umschreibt, worin nach Cicero das Wesen der Beredsamkeit besteht, das möglichst nicht unterbrochen werden sollte. Entsprechend heisst es im ersten Kapitel: «Überreizt von der schwierigen und gefährlichen, eben jetzt eine höchste Behutsamkeit, Umsicht, Eindringlichkeit und Genauigkeit des Willens erfordernden Arbeit der Vormittagsstunden, hatte der Schriftsteller dem Fortschwingen des produzierenden Triebwerkes in seinem Innern, jenem ‘motus animi continuus’, worin nach Cicero das Wesen der Beredsamkeit besteht, auch nach der Mittagszeit nicht Einhalt zu bieten vermocht und den entlastenden Schlummer nicht gefunden, der ihm, bei zunehmender Abnutzbarkeit seiner Kräfte, einmal am Tag so nötig war.»


Bei dieser Methode hakst Du auf einem Kalender die Tage ab, an denen Du zum Beispiel an Deiner Masterarbeit geschrieben hast. Im Grunde lässt sie sich das Prinzip des «Don’t break the chain» auf alle grösseren Projekte anwenden. Ziel und Zweck bestehen darin, eine möglichst lange, ununterbrochene Kette von Tagen zu erzeugen, an denen Du an dem betreffenden Text gearbeitet hast und die auf dem Kalender gut sichtbar durchgekreuzt sind. Dieses Phänomen wird auch als als Streak bezeichnet, eine „Schreibsträhne“ also, in der Du ähnlich wie bei einer «Glückssträhne» richtig gut vorwärtskommst.


Angenommen ein Autor oder eine Autorin schreibt während mehr als fünf Jahren jeden Tag 600 Wörter, auch an Sonn- und Feiertagen und bei Krankheit, dann ist es verständlich, dass er oder sie davor zurückschreckt, die Kette oder Strähne plötzlich abreissen zu lassen.


Möglich, dass das Schreiben so sehr zur Routine oder Gewohnheit geworden ist, dass man gar nicht mehr anders kann, als weiterzumachen. Wenn die Kette erst einmal eine gewisse Länge erreicht hat, so die Theorie, haben Schreibängste und –blockaden keine Chance mehr, Dich aus dem Tritt zu bringen.


Die Methode, das Schreiben zur Gewohnheit zu machen, kannst Du natürlich auch etwas flexibler gestalten. Nicht von der Hand zu weisen ist freilich die Tatsache, dass Gewohnheiten eine Haltung verstärken, vermutlich weil das Gehirn einen Zustand kennengelernt hat, der ihm angenehm ist und den es immer wieder herstellen möchte. Man spricht diesbezüglich auch von Körperinelligenz.


Christoph Frei



Sonntag, 26. November 2017

Alle vier Schreibtypen sind für sich erfolgreich







Alle genannten Schreibtypen sind für sich erfolgreich. Wichtig ist, beim Schreiben Strategien anzuwenden, die zum eigenen inneren Schreiber passen. Wer seinen inneren Schreiber ein wenig kennt, kann besser entscheiden, welche Empfehlungen und Strategien auf dem Weg zum fertigen Text weiterhelfen und welche man für sich nutzen kann. Gleichwohl ist zu betonen, dass es über typenspezifische Aspekte hinaus natürlich auch Anforderungen beim Schreiben von Hausarbeiten gibt, die unabhängig vom Schreibtyp gültig sind.






Nie zu vernachlässigen sind Kriterien von Wissenschaftlichkeit, sprachliche Anforderungen, zentrale Fragestellungen. Gleiches gilt für den sogenannten roten Faden. Diese Kriterien müssen, auch wenn sie mühsam und anstrengend zu erfüllen sind, von allen Studierenden bewältigt werden. Wie man aber zu einer guten Struktur kommt, ein Thema eingrenzt oder beim Schreiben am besten vorgeht, lässt sich mittels Kenntnis des eigenen inneren Schreibers deutlich bewusster und gewinnbringender entscheiden als ohne dieses Wissen über sich selbst. Und die Fähigkeit, das eigene Schreiben aktiv voranzubringen und zu steuern, wird dann umso wichtiger, wenn es in Hausarbeiten darum gehen soll, nicht nur Erkenntnisse anderer Wissenschaftler zusammenzufassen und aneinanderzureihen, sondern bestehendes Wissen zu erweitern und ein Thema unter einer eigenen Perspektive zu diskutieren – kurz: eine eigene Stimme als Autorin und Autor wissenschaftlicher Arbeiten zu entwickeln.







Freilich ist nicht jede der Strategien immer gleich zielführend: Wenn in kurzer Zeit ein gut strukturierter Text geschrieben werden muss, dauert das Patchworkschreiben  zu lange oder führt das Drauflosschreiben nicht zügig genug zum Kern des Themas, vor allem für Schreibende mit wenig Routine. Daher ist es empfehlenswert, gelegentlich auch solche Strategien auszuprobieren, die einem anfangs widerstreben und auf den ersten Blick nicht ganz dem eigenen Schreibtyp entsprechen. Dadurch erweitert sich das eigene Schreib- oder Handlungsrepertoire und man kann so bei zukünftigen Schreibherausforderungen flexibeler reagieren.









Samstag, 18. November 2017

Meine sechs effektivsten Hilfsmittel beim Schreiben






Dies sind die sechs Hilfsmittel und Ressourcen, die für mich unverzichtbar beim Schreiben sind. Viele der technischen Werkzeuge sind sogar kostenlos. Ich kenne und nutze alle mit Begeisterung!

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1. Scrivener
Scrivener ist ein Schreibprogramm, das mein Leben verändert hat, das kann ich nicht anders sagen. Mit Scrivener kann ich schneller und mehr Bücher schreiben. Für einen Menschen, der von Natur aus unordentlich ist und gelegentlich seine eigene Notizen nicht lesen kann und der an vielen Projekten gleichzeitig schreibt, ist Scrivener ein Traum. Aber auch extrem ordentliche Menschen lieben Scrivener und die fantastischen Funktionen, die es zur Arbeitsorganisation bietet. Für mich ist es kein Vergleich zum Schreiben zum Beispiel in Word. Es lohnt sich allerdings nur bei längeren Projekten, also Romanen, Sachbüchern oder zur Organisation von Blogbeiträgen. Für eine fünfseitige Kurzgeschichte oder ähnliches benötigt man kein Scrivener. Unendlich viele Autoren, die ich kenne, benutzen Scrivener. Es gibt noch das Programm Papyrus, von dem ich auch Gutes gehört habe, dass ich aber selbst nicht verwende. Einige der entscheidenden Funktionen sind für mich die folgenden:




• Alle Notizen zum Projekt wie Weblinks, Charakterbeschreibungen und Schauplätze sind in der Seitenleiste während des Schreibens immer sichtbar und mit einem Klick zugänglich.

• Mit der Pinnwand-Option lassen sich Kapitel und Szenen mühelos verschieben. Das Plotten wird also vereinfacht.

• Mit einem Klick ist das Dokument nach Word exportierbar oder direkt als Ebook in den gängigen Formaten für alle Plattformen.

• Fotos, Webseiten, Notizen und pdf-Datein lassen sich mühelos in die entsprechenden Ordner, z.B. Schauplatz oder Charakter, verschieben. Weblinks zieht man einfach mit der Maus in den entsprechenden Ordner.


Scrivener kostet nicht viel Geld. Zum Ausprobieren gibt es eine kostenlose Probeversion. Es ist, man kann es nicht anders sagen, genial für den gesamten Schreibprozess vom ersten Entwurf bis zum Export. 








2. Freedom und Self-Control
So, liebe Facebook-, Twitter-, Instagram-, Google-Süchtige. Verplemperst du Zeit im Internet und lässt dich ablenken? Glaub mir, ich weiß, wovon du sprichst. Du solltest schreiben und schwuupps, hast du die Anleitung zum Häkeln eines Kaktusses heruntergeladen oder zumindest das Rezept für einen Green Smoothie oder, noch schlimmer, eine Quiz gelöst. Ach stimmt, eigentlich wolltest etwas über den Schauplatz in New York recherchieren. Diese kleinen Apps stellen das Internet einfach aus. Es ist viel einfacher eine App anzustellen als zwei Stunden Willenstärke beizubehalten, glaubt mir! Ich weiß, ich bin ein schlimmer Fall, aber viele Autoren sind neugierig, deshalb schreiben sie ja Bücher. Freedom schaltet sich ab, wenn du den Computer neu hochfährst und du kannst wieder ins Internet. Es ist beschämend, aber das hat bei mir irgendwann nicht mehr gereicht. Self-Control (meine App), einmal angeworfen, verhindert die Internetverbindung für vorgegebene angegebene Zeit. Seiten, die man zum Arbeiten benötigt (das ist übrigens nicht Facebook!), kannst du zulassen. Einmal angeworfen, lässt sich die App nicht mehr abstellen. Du kannst dich auf den Kopf stellen. Oder eben einfach auf einem Zettel notieren, was du noch recherchieren möchtest und erst einmal schreiben. Du bist viel produktiver.






3. Diktiergerät oder Stimmaufnahme im Smartphone
Ich habe mal das Programm Dragon Dictation für 200 Euro gekauft. Ich habe es kaum benutzt. Inzwischen ist die Spracherkennung im iPhone allerdings so gut, dass ich auch meine Nachrichten und Emails während des Autofahrens diktiere. Und vor allem: meine Einfälle. Einfach in der Buchstabenleiste auf das kleine Icon mit dem Micro klicken und ausprobieren. Meine Stimme wird perfekt erkannt, ohne dass das Gerät je kallibriert wurde. So kann ich alle Einfälle direkt diktieren: beim Autofahren, Spazierengehen oder auch, ich gebe es zu, bei Joggen. Ich habe auch schon Kapitel von Büchern diktiert, während ich gelaufen bin. Und dann schicke ich die Nachricht an mich selbst oder sie direkt in Evernote für das entsprechende Notizbuch. 






4. Meine Geheimwaffe: Musik auf Endlosschleife und binaurale Klänge
Ich versuche mich täglich mehrere Stunden zu konzentrieren und so produktiv wie möglich zu sein. Dazu habe ich schon alles Mögliche ausprobiert. Einerseits trage ich immer Ohropax bei mir, um, falls ich in ein Kaffee gehe oder unterwegs arbeiten möchte, mich in meine eigene Welt zurückziehen zu können. Aber häufiger noch höre ich mit Hilfe von Kopfhörern, welche die Außengeräusche unterdrücken (gibt es in allen möglichen Preisklassen) verschiedene Playlisten. Musik ohne Kopfhörer finde ich störend und es hat eine Weile gebraucht, bis ich verstanden habe, wie andere Menschen beim Arbeiten Musik hören können! Zudem schreibe ich zwar mit Musik, das Überarbeiten erledige ich allerdings meistens ohne. Ich höre dabei immer wieder die gleichen Lieder, häufig sogar ein einziges in Endlosschleife. Interessanterweise habe ich letztens gelesen, dass auch der Wordpress-Gründer und Joseph Mosby darauf schwören und es durchaus eine wissenschaftliche Erklärung dafür gibt. Ich dachte immer, ich sei verrückt! Seit neuestem höre ich (nicht immer, aber häufig) zusätzlich binaurale Klänge. Das sind Klänge, ganz kurz erklärt, welche die Gehirnaktivität stimulieren. Auf meinem Blog gehe ich mehr auf die Hintergründe ein. Diese Klänge sind allein – für mich jedenfalls – schwer zu ertragen. Deshalb kann man sie mit sogenannten „weißen Klängen “ wie Regen oder Wellenrauschen überblenden. Ich überblende sie, indem ich zusätzlich zu den Klängen noch ein Lied auf Wiederholung darüberlege! In meinem Fall derzeit das Lied „First Day of My Life“ von Bright Eyes. Das dürfte ich schon viele hundert Mal gehört haben. Irgendwann wechsele ich dann wieder. Ich benutze dazu die App Sharp Mind von Brainwave und die Einstellung „Brainstorming“. Aber natürlich gibt es noch andere Apps, einfach mal googlen. Ich weiß, wer so etwas noch nie gemacht hat, für den mag das alles verrückt klingen. Aber es ist wirklich ein Versuch wert!




5. Wunderlist
Ein kleines, feines, kostenloses Programm. Es ist genau das, was es heißt: ein Listenprogramm. Ich erstelle damit To-Do-Listen. Ich liebe es, eine To-Do-Liste abzuarbeiten! Mir wurde es ursprünglich empfohlen, weil Freunde ihre Einkäufe darüber abwickelten. Denn mehrere Personen können auf eine Liste zugreifen. Dann bringt eben nicht jeder auf dem Nachhauseweg doppelt Milk mit, sondern nur das, was noch auf der Liste offen ist. Ich habe Listen mit den Aufgaben, die meine unterschiedlichen Buchprojekte betreffen. Listen mit Buchempfehlungen und Filmen, die ich noch ansehen möchte usw.






6. Evernote
Über Evernote hatte ich schon immer viel gehört, aber irgendwie war ich nicht warmgeworden mit der App. Aber jetzt. Jetzt bin ich warmgeworden. Ich bin sogar wohlig warm damit geworden. Evernote ist ein Programm, um seine Notizen zu sammeln. Man legt Notizbücher für alle möglichen Themen an, z.B. für seine Buchprojekte, Artikel, Reiseziele, Schauplätze, was auch immer. Dann sammelt man mit dem Handy oder im Internet seine Notizen, kann Ausschnitte vom Bildschirm abfotografieren, Gesprächsnotizen aufnehmen, Links und Fotos oder Audioaufnahmen sammeln. Das Programm arbeitet gleichzeitig auf dem Smartphone und auf dem Computer und synchronisiert sich. Evernoet, das muss ich dazu sagen, lohnt sich kaum, wenn man nur wenige Notizen hat. Wenn man viele Notizen hat, ist die Volltextsuche Gold wert! Man kann ALLE Notizen mit Volltextsuche durchsuchen. Großartig! Sogar wenn die Notizen schlecht sortiert sind, hat man mithilfe eines Schlagworts sofort alles zum Thema beisammen. Die Starterversion ist kostenlos.


Und das war’s! Ich hoffe, ihr habt bei meinen Lieblings-Werkzeugen einige Anregungen für euer eigenes Arbeiten finden können.






http://xoJulia.de – aus Liebe zum Schreiben © 2016


Besten Dank für Deinen Beitrag.
Christoph vom «Akademischen Lektorat»