Montag, 11. Dezember 2017

Meine zweite #beste Schreibempfehlung 




MIKROSCHRITTE:

I love writing. I hate starting to write.” Dean Wesley Smith. So wie Smith, geht es vermutlich vielen anderen ebenfalls. Er empfiehlt, täglich zu schreiben und öffentlich (in einem Blog zum Beispiel) Rechenschaft über die produzierten Wörter abzulegen.

Ich persönlich glaube, dass ausserdem die Macht der Gewohnheit auf seiner Seite steht. Wenn etwas nämlich zur Gewohnheit wird, etwa das tägliche Schreiben, müssen wir uns nicht jedes Mal aufs Neue entscheiden, ob wir es tun wollen oder nicht. Es geschieht automatisch.

Was kannst Du tun, bis so eine Gewohnheit sich ausbildet? In der konkreten Situation, wenn Du weisst, Du musst oder willst eigentlich schreiben, Deine inneren Widerstände jedoch zu gross sind, was machst Du dann?

Statt zu prokrastinieren, nimmst Du Dir etwas vor, das alles andere als einschüchternd wirkt. Die Gliederung Deiner Hausarbeit und vorläufige Überschriften einzugeben oder eine halbe Stunde an Deinem Text zu schreiben. Die Erfahrung zeigt, dass man meistens weitermacht, wenn der erste Widerstand überwunden ist. Und sollte dies doch einmal nicht der Fall sein, hast Du zumindest etwas geschafft, was mehr ist als gar nichts. Doch Du kannst es Dir noch leichter machen! Mit einer Methode, die «Mikroschritte« genant wird.

Der Autor Richard Ridley zum Beispiel nimmt sich vor, ein Wort pro Tag zu schreiben. Natürlich lässt er es nicht damit bewenden. „My goal while writing a book is to write one word a day. Not only have I never come short of my goal, I have far exceeded that one-word-a-day benchmark every single time, occasionally by as much as 6,000 times“, schreibt er. Jedes Mal hat er also sein Soll übererfüllt, und zwar erheblich.

Das erstaunt wohl niemanden. Die Anfangshürde war so lächerlich niedrig, dass sie selbst auf extrem ängstliche Menschen nicht bedrohlich wirken konnte. Falls Du jedoch jemand bist, den selbst ein Ziel von einem Wort pro Tag einschüchtert, dann nimm Dir doch vor, nur die Datei zu öffnen oder Dich ein Mal mehr im Bett zu drehen. Diesen Tipp habe ich im Blog von Franz Grieser entdeckt, der ihn bei Mark Forster gefunden hat. Weniger Einstiegsschwelle geht nicht!

Alle Mini- und Mikroschritte bewirken dasselbe: Sie nehmen unserem Schreiben das Bedeutsame, wir haben nicht mehr das Gefühl, dass ein Fehler, den wir in diesem alles entscheidenden Kapitel machen könnten, über unsere gesamte Zukunft als Autoren bestimmt. Was kann schon passieren? Wir öffnen doch nur die Datei, wir schreiben doch nur ein Wort, wir wollen doch nur spielen.



Christoph Frei



Sonntag, 10. Dezember 2017

Meine erste #beste Schreibempfehlung






 DON’T BREAK THE CHAIN:

Die Ermahnung «Don’t break the chain» wird dem amerikanischen Comedian Jerry Seinfeld zugeschrieben. Das Prinzip entspricht in etwa dem, was Thomas Mann in seiner Erzählung «Tod in Venedig» mit «motus animi continuus» umschreibt, worin nach Cicero das Wesen der Beredsamkeit besteht, das möglichst nicht unterbrochen werden sollte. Entsprechend heisst es im ersten Kapitel: «Überreizt von der schwierigen und gefährlichen, eben jetzt eine höchste Behutsamkeit, Umsicht, Eindringlichkeit und Genauigkeit des Willens erfordernden Arbeit der Vormittagsstunden, hatte der Schriftsteller dem Fortschwingen des produzierenden Triebwerkes in seinem Innern, jenem ‘motus animi continuus’, worin nach Cicero das Wesen der Beredsamkeit besteht, auch nach der Mittagszeit nicht Einhalt zu bieten vermocht und den entlastenden Schlummer nicht gefunden, der ihm, bei zunehmender Abnutzbarkeit seiner Kräfte, einmal am Tag so nötig war.»


Bei dieser Methode hakst Du auf einem Kalender die Tage ab, an denen Du zum Beispiel an Deiner Masterarbeit geschrieben hast. Im Grunde lässt sie sich das Prinzip des «Don’t break the chain» auf alle grösseren Projekte anwenden. Ziel und Zweck bestehen darin, eine möglichst lange, ununterbrochene Kette von Tagen zu erzeugen, an denen Du an dem betreffenden Text gearbeitet hast und die auf dem Kalender gut sichtbar durchgekreuzt sind. Dieses Phänomen wird auch als als Streak bezeichnet, eine „Schreibsträhne“ also, in der Du ähnlich wie bei einer «Glückssträhne» richtig gut vorwärtskommst.


Angenommen ein Autor oder eine Autorin schreibt während mehr als fünf Jahren jeden Tag 600 Wörter, auch an Sonn- und Feiertagen und bei Krankheit, dann ist es verständlich, dass er oder sie davor zurückschreckt, die Kette oder Strähne plötzlich abreissen zu lassen.


Möglich, dass das Schreiben so sehr zur Routine oder Gewohnheit geworden ist, dass man gar nicht mehr anders kann, als weiterzumachen. Wenn die Kette erst einmal eine gewisse Länge erreicht hat, so die Theorie, haben Schreibängste und –blockaden keine Chance mehr, Dich aus dem Tritt zu bringen.


Die Methode, das Schreiben zur Gewohnheit zu machen, kannst Du natürlich auch etwas flexibler gestalten. Nicht von der Hand zu weisen ist freilich die Tatsache, dass Gewohnheiten eine Haltung verstärken, vermutlich weil das Gehirn einen Zustand kennengelernt hat, der ihm angenehm ist und den es immer wieder herstellen möchte. Man spricht diesbezüglich auch von Körperinelligenz.


Christoph Frei



Sonntag, 26. November 2017

Alle vier Schreibtypen sind für sich erfolgreich







Alle genannten Schreibtypen sind für sich erfolgreich. Wichtig ist, beim Schreiben Strategien anzuwenden, die zum eigenen inneren Schreiber passen. Wer seinen inneren Schreiber ein wenig kennt, kann besser entscheiden, welche Empfehlungen und Strategien auf dem Weg zum fertigen Text weiterhelfen und welche man für sich nutzen kann. Gleichwohl ist zu betonen, dass es über typenspezifische Aspekte hinaus natürlich auch Anforderungen beim Schreiben von Hausarbeiten gibt, die unabhängig vom Schreibtyp gültig sind.






Nie zu vernachlässigen sind Kriterien von Wissenschaftlichkeit, sprachliche Anforderungen, zentrale Fragestellungen. Gleiches gilt für den sogenannten roten Faden. Diese Kriterien müssen, auch wenn sie mühsam und anstrengend zu erfüllen sind, von allen Studierenden bewältigt werden. Wie man aber zu einer guten Struktur kommt, ein Thema eingrenzt oder beim Schreiben am besten vorgeht, lässt sich mittels Kenntnis des eigenen inneren Schreibers deutlich bewusster und gewinnbringender entscheiden als ohne dieses Wissen über sich selbst. Und die Fähigkeit, das eigene Schreiben aktiv voranzubringen und zu steuern, wird dann umso wichtiger, wenn es in Hausarbeiten darum gehen soll, nicht nur Erkenntnisse anderer Wissenschaftler zusammenzufassen und aneinanderzureihen, sondern bestehendes Wissen zu erweitern und ein Thema unter einer eigenen Perspektive zu diskutieren – kurz: eine eigene Stimme als Autorin und Autor wissenschaftlicher Arbeiten zu entwickeln.







Freilich ist nicht jede der Strategien immer gleich zielführend: Wenn in kurzer Zeit ein gut strukturierter Text geschrieben werden muss, dauert das Patchworkschreiben  zu lange oder führt das Drauflosschreiben nicht zügig genug zum Kern des Themas, vor allem für Schreibende mit wenig Routine. Daher ist es empfehlenswert, gelegentlich auch solche Strategien auszuprobieren, die einem anfangs widerstreben und auf den ersten Blick nicht ganz dem eigenen Schreibtyp entsprechen. Dadurch erweitert sich das eigene Schreib- oder Handlungsrepertoire und man kann so bei zukünftigen Schreibherausforderungen flexibeler reagieren.









Samstag, 18. November 2017

Meine sechs effektivsten Hilfsmittel beim Schreiben






Dies sind die sechs Hilfsmittel und Ressourcen, die für mich unverzichtbar beim Schreiben sind. Viele der technischen Werkzeuge sind sogar kostenlos. Ich kenne und nutze alle mit Begeisterung!

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1. Scrivener
Scrivener ist ein Schreibprogramm, das mein Leben verändert hat, das kann ich nicht anders sagen. Mit Scrivener kann ich schneller und mehr Bücher schreiben. Für einen Menschen, der von Natur aus unordentlich ist und gelegentlich seine eigene Notizen nicht lesen kann und der an vielen Projekten gleichzeitig schreibt, ist Scrivener ein Traum. Aber auch extrem ordentliche Menschen lieben Scrivener und die fantastischen Funktionen, die es zur Arbeitsorganisation bietet. Für mich ist es kein Vergleich zum Schreiben zum Beispiel in Word. Es lohnt sich allerdings nur bei längeren Projekten, also Romanen, Sachbüchern oder zur Organisation von Blogbeiträgen. Für eine fünfseitige Kurzgeschichte oder ähnliches benötigt man kein Scrivener. Unendlich viele Autoren, die ich kenne, benutzen Scrivener. Es gibt noch das Programm Papyrus, von dem ich auch Gutes gehört habe, dass ich aber selbst nicht verwende. Einige der entscheidenden Funktionen sind für mich die folgenden:




• Alle Notizen zum Projekt wie Weblinks, Charakterbeschreibungen und Schauplätze sind in der Seitenleiste während des Schreibens immer sichtbar und mit einem Klick zugänglich.

• Mit der Pinnwand-Option lassen sich Kapitel und Szenen mühelos verschieben. Das Plotten wird also vereinfacht.

• Mit einem Klick ist das Dokument nach Word exportierbar oder direkt als Ebook in den gängigen Formaten für alle Plattformen.

• Fotos, Webseiten, Notizen und pdf-Datein lassen sich mühelos in die entsprechenden Ordner, z.B. Schauplatz oder Charakter, verschieben. Weblinks zieht man einfach mit der Maus in den entsprechenden Ordner.


Scrivener kostet nicht viel Geld. Zum Ausprobieren gibt es eine kostenlose Probeversion. Es ist, man kann es nicht anders sagen, genial für den gesamten Schreibprozess vom ersten Entwurf bis zum Export. 








2. Freedom und Self-Control
So, liebe Facebook-, Twitter-, Instagram-, Google-Süchtige. Verplemperst du Zeit im Internet und lässt dich ablenken? Glaub mir, ich weiß, wovon du sprichst. Du solltest schreiben und schwuupps, hast du die Anleitung zum Häkeln eines Kaktusses heruntergeladen oder zumindest das Rezept für einen Green Smoothie oder, noch schlimmer, eine Quiz gelöst. Ach stimmt, eigentlich wolltest etwas über den Schauplatz in New York recherchieren. Diese kleinen Apps stellen das Internet einfach aus. Es ist viel einfacher eine App anzustellen als zwei Stunden Willenstärke beizubehalten, glaubt mir! Ich weiß, ich bin ein schlimmer Fall, aber viele Autoren sind neugierig, deshalb schreiben sie ja Bücher. Freedom schaltet sich ab, wenn du den Computer neu hochfährst und du kannst wieder ins Internet. Es ist beschämend, aber das hat bei mir irgendwann nicht mehr gereicht. Self-Control (meine App), einmal angeworfen, verhindert die Internetverbindung für vorgegebene angegebene Zeit. Seiten, die man zum Arbeiten benötigt (das ist übrigens nicht Facebook!), kannst du zulassen. Einmal angeworfen, lässt sich die App nicht mehr abstellen. Du kannst dich auf den Kopf stellen. Oder eben einfach auf einem Zettel notieren, was du noch recherchieren möchtest und erst einmal schreiben. Du bist viel produktiver.






3. Diktiergerät oder Stimmaufnahme im Smartphone
Ich habe mal das Programm Dragon Dictation für 200 Euro gekauft. Ich habe es kaum benutzt. Inzwischen ist die Spracherkennung im iPhone allerdings so gut, dass ich auch meine Nachrichten und Emails während des Autofahrens diktiere. Und vor allem: meine Einfälle. Einfach in der Buchstabenleiste auf das kleine Icon mit dem Micro klicken und ausprobieren. Meine Stimme wird perfekt erkannt, ohne dass das Gerät je kallibriert wurde. So kann ich alle Einfälle direkt diktieren: beim Autofahren, Spazierengehen oder auch, ich gebe es zu, bei Joggen. Ich habe auch schon Kapitel von Büchern diktiert, während ich gelaufen bin. Und dann schicke ich die Nachricht an mich selbst oder sie direkt in Evernote für das entsprechende Notizbuch. 






4. Meine Geheimwaffe: Musik auf Endlosschleife und binaurale Klänge
Ich versuche mich täglich mehrere Stunden zu konzentrieren und so produktiv wie möglich zu sein. Dazu habe ich schon alles Mögliche ausprobiert. Einerseits trage ich immer Ohropax bei mir, um, falls ich in ein Kaffee gehe oder unterwegs arbeiten möchte, mich in meine eigene Welt zurückziehen zu können. Aber häufiger noch höre ich mit Hilfe von Kopfhörern, welche die Außengeräusche unterdrücken (gibt es in allen möglichen Preisklassen) verschiedene Playlisten. Musik ohne Kopfhörer finde ich störend und es hat eine Weile gebraucht, bis ich verstanden habe, wie andere Menschen beim Arbeiten Musik hören können! Zudem schreibe ich zwar mit Musik, das Überarbeiten erledige ich allerdings meistens ohne. Ich höre dabei immer wieder die gleichen Lieder, häufig sogar ein einziges in Endlosschleife. Interessanterweise habe ich letztens gelesen, dass auch der Wordpress-Gründer und Joseph Mosby darauf schwören und es durchaus eine wissenschaftliche Erklärung dafür gibt. Ich dachte immer, ich sei verrückt! Seit neuestem höre ich (nicht immer, aber häufig) zusätzlich binaurale Klänge. Das sind Klänge, ganz kurz erklärt, welche die Gehirnaktivität stimulieren. Auf meinem Blog gehe ich mehr auf die Hintergründe ein. Diese Klänge sind allein – für mich jedenfalls – schwer zu ertragen. Deshalb kann man sie mit sogenannten „weißen Klängen “ wie Regen oder Wellenrauschen überblenden. Ich überblende sie, indem ich zusätzlich zu den Klängen noch ein Lied auf Wiederholung darüberlege! In meinem Fall derzeit das Lied „First Day of My Life“ von Bright Eyes. Das dürfte ich schon viele hundert Mal gehört haben. Irgendwann wechsele ich dann wieder. Ich benutze dazu die App Sharp Mind von Brainwave und die Einstellung „Brainstorming“. Aber natürlich gibt es noch andere Apps, einfach mal googlen. Ich weiß, wer so etwas noch nie gemacht hat, für den mag das alles verrückt klingen. Aber es ist wirklich ein Versuch wert!




5. Wunderlist
Ein kleines, feines, kostenloses Programm. Es ist genau das, was es heißt: ein Listenprogramm. Ich erstelle damit To-Do-Listen. Ich liebe es, eine To-Do-Liste abzuarbeiten! Mir wurde es ursprünglich empfohlen, weil Freunde ihre Einkäufe darüber abwickelten. Denn mehrere Personen können auf eine Liste zugreifen. Dann bringt eben nicht jeder auf dem Nachhauseweg doppelt Milk mit, sondern nur das, was noch auf der Liste offen ist. Ich habe Listen mit den Aufgaben, die meine unterschiedlichen Buchprojekte betreffen. Listen mit Buchempfehlungen und Filmen, die ich noch ansehen möchte usw.






6. Evernote
Über Evernote hatte ich schon immer viel gehört, aber irgendwie war ich nicht warmgeworden mit der App. Aber jetzt. Jetzt bin ich warmgeworden. Ich bin sogar wohlig warm damit geworden. Evernote ist ein Programm, um seine Notizen zu sammeln. Man legt Notizbücher für alle möglichen Themen an, z.B. für seine Buchprojekte, Artikel, Reiseziele, Schauplätze, was auch immer. Dann sammelt man mit dem Handy oder im Internet seine Notizen, kann Ausschnitte vom Bildschirm abfotografieren, Gesprächsnotizen aufnehmen, Links und Fotos oder Audioaufnahmen sammeln. Das Programm arbeitet gleichzeitig auf dem Smartphone und auf dem Computer und synchronisiert sich. Evernoet, das muss ich dazu sagen, lohnt sich kaum, wenn man nur wenige Notizen hat. Wenn man viele Notizen hat, ist die Volltextsuche Gold wert! Man kann ALLE Notizen mit Volltextsuche durchsuchen. Großartig! Sogar wenn die Notizen schlecht sortiert sind, hat man mithilfe eines Schlagworts sofort alles zum Thema beisammen. Die Starterversion ist kostenlos.


Und das war’s! Ich hoffe, ihr habt bei meinen Lieblings-Werkzeugen einige Anregungen für euer eigenes Arbeiten finden können.






http://xoJulia.de – aus Liebe zum Schreiben © 2016


Besten Dank für Deinen Beitrag.
Christoph vom «Akademischen Lektorat»