Donnerstag, 25. Mai 2017

Studenten können keine Rechtschreibung




Vorrausetzung“, „wiederrum“, „Kommulitionen“ - eine genervte Politik-Dozentin berichtet über den abenteuerlichen Umgang mit der deutschen Sprache in Seminararbeiten. 

Ein Gastbeitrag von Hannah Bethke.


In den Semesterferien gehört es an deutschen Hochschulen zu den Aufgaben der Dozenten, Hausarbeiten von Studenten zu korrigieren, die zu einem Thema des von ihnen besuchten Seminars angefertigt wurden. An einigen Instituten etwas aus der Mode gekommen, gehört das Schreiben einer Hausarbeit, die in einem Bachelor-Seminar in der Regel etwa 12 bis 15 Seiten umfasst, zum Kern wissenschaftlichen Arbeitens. Nur hier wird sichtbar, inwieweit der Inhalt der Literatur tatsächlich verstanden und analytisch durchdrungen wurde und ob die dort (hoffentlich!) gewonnenen Erkenntnisse in einen wissenschaftlichen Text transformiert werden konnten, der selbständig geschrieben worden ist.




Was sich dem Leser dieser Arbeiten mittlerweile zunehmend darbietet, ist nun allerdings eklatant. Man kann von Glück reden, wenn eine Hausarbeit vorliegt, die Mängel in der wissenschaftlichen Analyse aufweist - denn das setzt voraus, dass das Einstiegsniveau immerhin so hoch ist, dass man überhaupt von einer wissenschaftlichen Arbeit sprechen kann. In erschreckend vielen Fällen lässt sich dies nicht einmal ansatzweise behaupten. Dabei geht es nicht um wissenschaftstheoretische Feinheiten, nicht um „Expertenwissen“ und Scheingefechte im belächelten Elfenbeinturm der Wissenschaft, sondern um eine leider völlig abhanden gekommene Selbstverständlichkeit, die eigentlich bereits mit dem Erreichen der Mittelstufe gegeben sein sollte: die Beherrschung der deutschen Grammatik.


 




Nun ist es nicht nur so, dass der Konjunktiv I grundsätzlich falsch oder gar nicht angewendet wird („Konjunktiv ist das Gegenteil von Imperativ“, lautete eine der abenteuerlichen Antworten auf meine Nachfrage im Seminar, ob denn jemand erklären könne, worum es sich beim Konjunktiv wohl handeln könnte), die Regeln der Kommasetzung weder verstanden noch umgesetzt werden und die Groß- und Kleinschreibung ein großes Rätsel des Universums zu sein scheint. Es werden vielmehr auch Fehler gemacht, mit denen man nicht einmal einen Hauptschulabschluss kriegen dürfte - und da hilft auch nicht der Hinweis auf die flächendeckende Verwirrung, die die unsägliche Rechtschreibreform hervorgerufen hat: Ein „Beispiel hier führ“ schreibt einer, „ein Probartes Mittel“ eine andere, „vermeidlich“ (die Autorin meint: vermeintlich), „Vorrausetzung“, „wiederrum“, „Kommulitionen“ (gemeint ist: Kommilitonen) - der Kreativität der Rechtschreibfehler sind keine Grenzen gesetzt.




Von „Wiederspruch“ bis „Wiederspiegeln“
Besonders beliebt scheint in diesem Semester auch das „ie“ zu sein. Regelmäßig muss ich lesen: „Wiederstand“, „Wiederspruch“, „wiederspiegeln“. Werden in deutschen Schulen keine Diktate mehr geschrieben? Das gilt auch für den Satzbau, sofern man davon überhaupt sprechen kann, denn oft genug handelt es sich nicht um bloße Fehler in der Satzlogik, sondern schlichtweg um unvollständige Sätze. Eine tiefgreifende Unkenntnis der deutschen Grammatik liefert auch das folgende Beispiel, das bei weitem keine Seltenheit ist: „Zu dem (sic!) liege darin die Gefahr eine Abhängigkeit der personenbezogenen Form der Anerkennung, weg von der erkämpften worden Selbstachtung.“



Das Lesen solcher Arbeiten ist nicht nur nicht erfreulich. Es ist eine Zumutung. Dabei handelt es sich fast ausnahmslos um Studenten, deren Muttersprache Deutsch ist. Oftmals ist es sogar so, dass ausländische Erasmus-Studenten die deutsche Grammatik besser beherrschen als ihre deutschen Kommilitonen. Wird dieser Missstand laut artikuliert, sieht man sich zumeist sofort dem Vorwurf ausgesetzt, man sei zu streng und dürfe die armen Studenten (oder, um es gemäß der grassierenden Partizipienseuche zu formulieren, die politisch angeblich korrekt, sprachlogisch jedoch falsch ist: die „Studierenden“) nicht überfordern. Immer häufiger wird dies auch mit der Belehrung verbunden, dass es eine Krankheit gebe, die sich Legasthenie nennt.







Das argumentative Muster dieser engagierten Kritiker ist bekannt. Hat es sich schon durchgesetzt, allen, die in der Schule nicht aufpassen oder sich durch anderes „abweichendes Verhalten“ vom „normalen“ Durchschnitt unterscheiden - ein Umstand, den jede liberale Gesellschaft eigentlich begrüßen sollte, anstatt jegliche Normabweichung sofort als pathologisch zu klassifizieren -, die Krankheit ADHS zuzuschreiben, gelten nun alle, die der deutschen Rechtschreibung nicht mächtig sind, als Legastheniker. Gibt es auch Tabletten gegen Rechtschreibfehler? Die Pharmaindustrie würde ein Millionengeschäft machen. Dabei liegen die Dinge für jeden, der sehen will, klar zutage: An deutschen Schulen und Universitäten hat eine systematische Niveaunivellierung stattgefunden, die das Ergebnis einer wachsenden Scheu ist, den Lernenden gegenüber Grenzen zu ziehen, schlechte Leistungen als solche zu benennen, Unterschiede zu sehen und zu akzeptieren, anstatt allen - ob sie dafür geeignet sind oder nicht - alles eröffnen zu wollen.




In der erschütternden Unkenntnis der deutschen Orthographie drückt sich nicht nur aus, dass offensichtlich kaum noch Bücher gelesen werden. Sie spiegelt auch ein Problem wider, das mit der Abschaffung des Frontalunterrichts - die, man glaubt es nicht, im Jahr 2014 immer noch als innovativ angepriesen wird - eingetreten ist: Der Verzicht auf Anleitung führt dazu, dass eine Fehlerkontrolle ausbleibt und die Schüler in ihrem oftmals falschen Selbstbild von ihren Leistungen nicht nur bestärkt, sondern paradoxerweise gleichzeitig auch alleine gelassen werden. Allzu oft wird an den Universitäten dieses Problem nicht etwa behoben, sondern durch die (verantwortungslose!) inflationäre Vergabe guter Noten fortgesetzt.







Ich will mich nicht einreihen in den Chor derer, die den Untergang des Abendlandes heraufbeschwören; wenngleich es zur Bestätigung dieser kulturpessimistischen These sicher lohnenswert wäre, eine Umfrage unter Studenten zu machen, wer von ihnen überhaupt noch weiß, was das Abendland eigentlich ist - und wie man es schreibt. Hier halte ich mich vielmehr mit Kant an das hoffnungsvolle Bestreben, der „langen melancholischen Litanei von Anklagen der Menschheit“ den Appell an die Mündigkeit, an die Freiheit und an die Änderungsfähigkeit eines jeden Menschen entgegenzusetzen. Die angeführten Beispiele zeigen jedoch überdeutlich, dass das deutsche Bildungssystem an gravierenden Stellen versagt. Gymnasien, die nicht einmal in der Lage sind, dafür zu sorgen, dass ihre Absolventen nach Erlangen der allgemeinen Hochschulreife die deutsche Rechtschreibung beherrschen, stellen sich selbst ein Armutszeugnis aus.



Über kurz oder lang wird dieses System, das bei konsequenter Fortführung zu einer nachhaltigen Verdummung der Gesellschaft führen würde, keinen Bestand haben. Es ist zu hoffen, dass der jetzige Bestand eher von kurzer als von langer Dauer sein wird.



Hannah Bethke lehrt Politikwissenschaft an der Universität Greifswald.
Quelle: F.A.Z.

Sonntag, 21. Mai 2017

Die integrative Schule verheizt die Lehrer




Es ist wie meistens, wenn es an den Schulen zu Problemen kommt: Die Lehrer sind überlastet und bitten um Hilfe. Und die Bildungsverantwortlichen entgegnen, es handle sich um Einzelfälle. Das Konzept sei gut, es gebe nichts daran zu rütteln. 


So war es im Fall der Fremdsprachen in der Primarschule. Und so ist es nun bei der integrativen Schule. Die Idee, dass behinderte und verhaltensauffällige Kinder nicht in speziellen Kleinklassen unterrichtet werden, sondern in der Regelklasse, ist gut gemeint. Sie berührt eine zentrale Frage unserer Gesellschaft, nämlich die, wie wir mit Menschen umgehen, die nicht der Norm entsprechen.


Doch diese Idee überfordert die Schule, oder genauer: die Lehrer. Ein einzelner Schüler kann den Unterricht zerstören oder braucht zumindest so viel Aufmerksamkeit, dass alle anderen hinten anstehen müssen. Man müsse es nur richtig machen, finden darauf die Theoretiker.


 Natürlich, in einer perfekten Welt hätte man unbeschränkt Geld und Personal, um die beste Betreuung für jeden einzelnen Schüler zu gewährleisten. Doch die Welt ist nicht perfekt, das Geld für die Schule knapp. Das ist die Realität, und in dieser Realität gibt es in der integrativen Schule mehr Verlierer als Gewinner.

von fur. 20.5.2017

aus: NZZ am Sonntag, 21. Mai 2017

Dienstag, 16. Mai 2017

In 5 Schritten  zur guten Seminararbeit




Von der Themenwahl bis zur Versprachlichung
Das Semester neigt sich dem Ende entgegen und damit rückt auch die nächste – für Dich vielleicht die erste – wissenschaftliche Hausarbeit immer näher. Auf den ersten Blick eine gewaltige Aufgabe. Doch wenn Du dir die Seminar- oder Hausarbeit erstmal in fünf Arbeitsprozesse einteilst, die Du Schritt für Schritt abarbeitest, ist alles nur noch halb so schlimm. Ehrenwort!


Schritt 1: Thema der Seminararbeit auswählen und verstehen
Kannst Du aus einer Themenliste auswählen, solltest Du Dir nicht nur überlegen, welches Thema Dich interessiert, sondern auch ehrlich entscheiden, welches Du im vorgegebenen Zeitrahmen schaffst. Mache, wenn möglich, ein paar Probe-Recherchen. Am besten natürlich vor der Entscheidung, also wenn die Vorschläge aushängen oder im Netz stehen. Aber auch direkt danach macht es noch Sinn, damit Du Probleme und Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Primär- und Sekundärliteratur schnellstmöglich mit dem Dozenten oder der Dozentin lösen kannst.

Hast Du das Thema schon, stellst Du Dir am besten folgende zwei Fragen:

1) Was genau soll ich überhaupt zeigen? (Einschlusskriterien)
2) Was kann ich alles weglassen? (Ausschlusskriterien)

Wenn die Deadline für die Seminararbeit näher rückt, heisst es, unter Zeitdruck nicht mit Panik zu reagieren. Um im grössten Stress locker zu bleiben, brauchst Du einen Ausgleich zur täglichen Schreibarbeit: Versuch’s doch mit Yoga, geh Joggen oder Biken, das hat mir jedenfalls immer geholfen, mit frischem Geist neu ans Werk zu gehen. Nachdem Du diesen Rahmen abgesteckt hast, kannst Du mit der Suche nach Literatur beginnen. Vielleicht musst Du die Eckpunkte mit einer Mindmap festhalten, um Dein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. 


Schritt 2: Literatur suchen
Wenn Du Dich an die Literatursuche machst, musst Du Dir im Klaren darüber sein, ob Du eine reine Literaturarbeit schreiben sollst oder auch die erarbeitete Theorie praktisch anwenden musst. Je nachdem, welcher Arbeitstyp gewünscht wird, brauchst Du mehr oder weniger spezifische Literatur bzw. eher theoretische Arbeiten oder eben auch Studienberichte.
In jedem Fall leiten auch hier wieder zwei Fragen die Suche:

1) Über welche Quellen und Kanäle kann ich die benötigte Literatur finden?
2) Welche Suchwörter muss ich dabei verwenden?

Hier wird Dir auf die erste Frage sicher als Erstes das Internet oder die Homepage der Uni-Bibliothek einfallen, aber auch Google Scholar Online Services und andere Spezialportale solltest Du berücksichtigen.

Schau Dich ruhig auch mal auf der Webseite der Bibliothek um. Nicht selten finden sich dort nämlich einige kostenpflichtige Datenbanken, die für Studierende im Angebot jedoch kostenfrei sind. 


Schritt 3: Wissenschaftliche Datenerhebung
Wenn Du darüber hinaus mit Primärquellen arbeiten oder selbst Daten erheben musst, dann hilft Dir folgende Checkliste weiter:

1) Welche Art von Informationen/Daten muss ich sammeln, um meine Forschungsfrage beantworten zu können?
2) Wo finde ich solche Daten/Informationen?
3) Sind die Daten frei zugänglich oder gibt es administrative/technologische Hürden?
4) Mit welcher Methode will ich die Daten weiterbearbeiten/auswerten?
5) Wie viele Datensätze benötige ich, um valide Aussagen zu treffen?
6) Wie kann eine unzureichende Ergebnislage eventuell korrigiert bzw. kompensiert werden?



Schritt 4: Literaturauswertung
Wenn Du Informationen aus der Literatur übernimmst, musst Du in jedem Fall entscheiden, ob Du zitieren oder paraphrasieren willst.
Jede Art von Zitat bedeutet, dass der Originalwortlaut aus der Vorlage übernommen wird. Daher steht hier (im Harvard-System) direkt nach der wiedergegebenen Idee als Quellenangabe immer (Autornachname Veröffentlichungsjahr: Seitenzahl), also beispielsweise (Billeter 2016:17).
Bei der Paraphrase formulierst Du den gelesenen Gedanken mit eigenen Worten. Daher muss hier innerhalb der Klammer immer ein "siehe" oder "s." am Anfang stehen: (s. Billeter 2016: 17). Ausnahme: Wenn du mit den lateinischen Abkürzungen arbeitest, steht hier "v." für "vide": (v. Billeter 2016: 17).

Es empfiehlt sich, immer sogleich zu notieren, woher Du deine Information hast!

Überlege Dir auch gut, ob Du die Idee in eigenen Worten zusammenfassen willst oder ob die Originalstelle so prägnant ausformuliert ist, dass ein Zitat das Beste ist.

Ist ein Terminus aus den wörtlich übernommenen Sätzen oder Satzstücken aller Wahrscheinlichkeit nach dem Leser nicht bekannt, so sollte eine Erläuterung in eckigen Klammern eingefügt werden. Diese Erklärung leitest Du mit der lateinischen Abkürzung "sc." oder "scil." für scilicet "es beliebt zu wissen" ein.

1) Steht im Originaltext zum Beispiel: Die Betonung des Hysteron Proteron bei Kurz und Frank ist problematisch, da der Begriff der Inversion die Disjunktion zwischen transzendentaler und der im Werk dargestellten Zeit nicht mit einschliesst.

2) Dann kannst Du den Originaltext in der der Hausarbeit wie folgt umschreiben: «Die Betonung des Hysteron Proteron [sc.: der Erzählung des zeitlich Späteren zuerst] bei Kurz und Frank ist problematisch», schreibt Krüger (2015: 120) und begründet dies damit, dass …




Schritt 5: Versprachlichung
Wenn Du aus all den gesammelten Informationen und Beobachtungen schliesslich Deine Arbeit erstellst, hast Du einen klaren Bauplan, dem du folgen musst. Kapiteltypen wie Einleitung, Theorieteil und Schlusskapitel oder Literaturverzeichnis sind dabei obligatorisch und folgen ihren eigenen Normen.

Ein separates Kapitel Ergebniszusammenfassung sollte dabei immer das letzte Kapitel des Analyseteils darstellen. Dadurch wird die Ergebnisaufnahme abgerundet und es können grosse Deutungslinien oder Widersprüche und Grenzen herausgearbeitet werden. Ausserdem liegt so der Fokus im Schlusskapitel auf der Evaluation und der Einordnung der Eigenleistung im Forschungskontext.   

Natürlich hilft es, wenn Du Dir für jedes Kapitel eine Liste machst mit den Begriffen, die Du definieren möchtest, oder mit den Fragen, die Du beantworten musst.

Christoph Frei


Der andere Schreibtyptest








Die nächste Hausarbeit kann kommen, vorausgesetzt, Du weisst, welcher Schreibtyp Du bist. Der folgende Test soll Dir dabei helfen herauszufinden, wie Du Deine Textarbeit optimieren kannst.

Der Schreibtyp-Test

Entscheide Dich jeweils zwischen a), b) und c), notiere Dir Deine Antworten und schaue dann, welche Antwort Du am häufigsten gewählt hast. 

Wie viele Aufsätze liest Du in etwa, bevor Du anfängst, eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben?

a) 3 bis 6
b) 1 bis 2
c) Mindestens 7 und das ein oder andere Buch

Welcher dieser Aussagen stimmst Du am ehesten zu?

a) "Bevor ich anfange zu schreiben, muss ich die wichtigsten inhaltlichen Fragen geklärt haben."
b) "Beim Schreiben klären sich meine Gedanken."
c) "Ich möchte einen fundierten Überblick über die Forschungsliteratur haben, bevor ich anfangen kann, zu schreiben."

Auf welche Weise zitierst Du?
a) Ich zitiere nur prägnante Aussagen, die in der Forschungsliteratur besonders herausstechen, direkt. Sonst belege ich meine Argumente regelmässig durch indirekte Textverweise.
b) Ich schreibe zunächst frei und zitiere dann in einem nächsten Schritt die wichtigsten Punkte indirekt oder in Ausnahmefällen direkt.
c) Ich belege die meisten meiner Aussagen. Dabei verweise ich auf Kontroversen in der Forschungsliteratur und allenfalls auf Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten.


Achtest Du beim ersten Textentwurf auf korrekte Formulierungen?
a) Ich beachte die Rechtschreibregeln und schreibe meist ganze Sätze. Aber wenn mir auf Anhieb keine perfekte Formulierung einfällt, schreibe ich trotzxdem weiter.
b) Nein, das kommt erst im nächsten Schritt.
c) Ja, denn der Text soll gut lesbar sein.

Hast Du manchmal Angst, dass Deine Arbeitszeit nicht ausreicht?
a) Manchmal, aber alles in allem ist der Zeitrahmen ausreichend.
b) Nein, ich kann mich auch nicht zu lange mit einem Thema beschäftigen.
c) Ja, manchmal weiss ich gar nicht, wohin meine Zeit verfliegt.


Die Auswertung

Überwiegend A: Du bist ein Praxisschreiber wie ein Journalist.






Der  Praxisschreiber versucht, ein gesundes Mittelmass zwischen Information und Schreibfluss zu finden und ist damit auf einem sehr guten Weg. Texte produziert er mit der nötigen Sorgfalt, weiss aber auch, dass kein Erstentwurf perfekt sein muss. Den Feinschliff übernimmt er lieber in einem zweiten Schritt.
Der Praxisschreiber
  • kommt rasch voran ist aber auch gründlich;
  • kann  seine Zeit sinnvoll einteilen;
  • weiss in der Hälfte, wie viel Literatur er in welcher Zeitspanne bearbeiten kann.

Schreibtipps
  • Die Endfassung ein paar Tage liegen lassen, bevor sie final überprüft wird. Mit etwas zeitlichem Abstand fallen Fehler und Ungereimtheiten besser auf.
  • Bei der Überarbeitung des Erstentwurfs ist scharfe Kritik gefragt: Ist die Gliederung logisch? Sind die Argumente nachvollziehbar?
  • Fremde erkennen Schwachstellen oft viel leichter.
  • Die formale Gestaltung darf nicht vergnachlässigt werden.

Überwiegend B: Du bist ein schneller Schreiber wie Alfred Döblin oder Thomas Mann







Der schnelle Schreiber fackelt nicht lange, sondern schreibt drauflos und kommt zügig voran. Er kennt die wichtigste Sekundärliteratur, aber nicht jeden einzelnen Aufsatz zum Thema. Er zitiert nur dann, wenn eine Aussage besonders wichtig erscheint.

Der schnelle Schreiber
  • kommt gut mit dem Zeitrahmen zurecht;
  • hat keine Schreibhemmungen und verzettelt sich nicht bei der Literaturrecherche und beim Lesen;
  • hat Probleme, die geforderten Seiten zu füllen, und mogelst sich mit Tricks wie Zeilenschinderei durch;
  • macht Flüchtigkeitsfehler, weil er den genauen Sachverhalt nicht überblickt.

Schreibtipps
  • Sich die Zeit für eine gründliche Recherche nehmen.
  • Gedanken erst stichpunktartig, am besten mit vollständiger Literaturangabe aufschreiben.
  • Wenn der Überblick da ist, mit Formulieren beginnen und dabei alles kritisch hinterfragen.
  • Weitere Sekundärliteratur kann mögliche Ungereimtheiten klären.


Überwiegend C: Du bist ein langsamer Schreiber wie Gustave Flaubert oder Christoph Ransmayr





 Der langsame Schreiber möchte erst perfekt informiert sein, bevor er zu schreiben anfängt. Daher liest er erst zahlreiche Forschungsbeiträge, bevor er selbst einen Text produziert. Darüber hinaus neigen langsame Schreiber dazu, jede Formulierung sofort zu perfektionieren.


Der langsame Schreiber
  • zeichnet sich durch hohe Qualität und Tiefe aus;
  • weiss über sein Thema Bescheid und bekommt in der Regel gute Noten;
  • seine langsame Arbeitsweise kann Zeitprobleme zur Folge haben;
  • empfindet das Schreiben oft als belastend.


Schreibtipps
  • Zur Not erstmal Lücken lassen, wenn die passende Formulierung nicht sofort gelingt.
  • Im Gespräch mit anderen über die Arbeit lässt sich das üben. Da kann man schliesslich auch nicht lange zögern, bis ein Gedankengang sitzt.
  • Ein gutes Zeitmanagement hilft, einen Überblick zu bekommen und Unwichtiges aus dem Schreibprozess zu verbannen.


Zu kompliziert? Dann schau Dir den Video-Clip auf YouTube an, wo zwei Schreibtypen von Gerd Bräuer vorgestellt werden. Im Wesentlichen geht es dabei um Strukturschaffer und Strukturfolger. Hier ist der Link:

https://www.youtube.com/watch?v=04VaNmrD5aw&spfreload=10


Wer's genauer wissen will, kann auch die folgende Publikation von Gerd Bräuer lesen: "Das Portfolio als Reflexionsmedium für Lehrende und Studierende"








Freitag, 12. Mai 2017



Weitere 10 beste Tipps gegen Prokrastination







Damit es erst gar nicht so weit kommt, habe ich für Dich recherchiert und 10 weitere hilfreiche Tipps gegen Aufschieberitis zusammengetragen. Nicht alle werden zu Dir passen. Das können und sollen sie auch nicht. Dazu ist das Problem zu individuell. Betrachte die Tipps als Sammlung von Alternativen und pick das Beste für Dich heraus. 


1.      Hör auf, zu zweifeln!
Jeder kennt die Phrase, Wenn ich doch nur ..., dann ...! Solche Wenn-dann-Phasen tauchen immer wieder auf. Meistens dann, wenn Du mir Dir und Deiner  Situation unzufrieden bist. Aber diese Zweifel sind heikel. Ihr Unheil beginnt mit der Überzeugung, vor einem stünde ein unüberwindbarer Berg. Dann sehen wir nur noch den Berg und nicht mehr den Gipfel, verharren oder kehren gar um. Fatal! Ein Gipfelsturm gelingt auch in Etappen. Überlege Dir also, wo Du stehst und was als nächstes getan werden müsste. Dann gehe los,  Basiscamp für Basiscamp.


2.      Streiche Dich produktiv!
Das klingt zwar merkwürdig, funktioniert aber tatsächlich. Es kann ein sehr zufriedenstellendes Gefühl sein, eine Aufgabe sichtbar abzuhaken, beispielsweise auf Deiner  To-Do Liste oder im Aufgabenplan. So hast Du nicht nur das Gefühl etwas geschafft zu haben, sondern kannst es auch bildhaft machen und damit verstärken.


3.      Nimm Dir nicht zu viel vor!
Behalte lieber das grosse Ganze im Auge. Aus der Forschung weiss man, dass Menschen Aufgaben motivierter erledigen, wenn Sie die höheren Ziele dahinter erkennen.


4.      Sei realistisch!
Aufschieber neigen zur Alles-oder-Nichts-Haltung. Dahinter steckt die Angst,  nicht mehr akzeptiert zu werden, wenn etwas nicht vollkommen ist. Auch 80 Prozent sind oft gut genug. – (Vergiss nie, dass 80% einer Arbeit in 20% der Zeit zu erledigen ist. Sei darum kein Perfektionist, der für die restlichen 20% nochmals 80% der Arbeit aufbringen will.)


5.      Hör auf, perfekt zu sein!
Perfektionismus hält auf! Er führt zu einem Tunnelblick, bei dem sich die Betroffenen auf zahllose Details konzentrieren, die für das grosse Ganze  jedoch   geringe Bedeutung haben. Dabei verrennen sie sich dann und kommen schließlich nicht mehr vom Fleck. Mängel dagegen können den Horizont erweitern. Denke nur: Ohne Fehler hätte Christoph Kolumbus nie Amerika entdeckt.


6.      Setze Dir Limiten!
Sicher kennst Du das Parkinson’sche Gesetz.  Es geht auf den britischen Historiker und Publizisten Cyril Northcote Parkinson zurück. Danach dehnt sich Arbeit in genau dem Mass aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht – und nicht etwa wie viel Zeit Du tatsächlich dafür bräuchtest. Denke an ein Meetings: Stundenlang werden die Themen diskutiert, alle können mitreden, auch wenn nicht jeder davon eine Ahnung hat. Aber fünf Minuten vor Schluss werden trotzdem die entscheidenden Beschlüsse gefasst. Warum nicht gleich so? Ganz einfach: Setze Limits!


7.      Belohne Dich  für  für Teilerfolge!
Um Prokrastination in den Griff zu bekommen, ist Selbstdisziplin nötig, manchmal auch Druck. Deshalb ist Belohnung am Ende wichtig, um sich bei Laune zu halten. Was alle Erfolgreichen letztlich eint: Sie halten die Lücke zwischen Absicht und Ausführung sehr klein. Und den Spassfaktor natürlich gross.


8.      Lobe Dich!
Fehlen positive Rückmeldungen, tendieren Menschen dazu, aufzugeben. Umgekehrt wirkt Wertschätzung enorm positiv, wie etwa Albert Bandura, Psychologie-Professor an der Stanford-Universität, nachwies: Gelobte sind motivierter, stecken sich höhere Ziele, fühlen sich diesen stärker verpflichtet, teilweise unterstellen sie sich sogar bessere Fähigkeiten, was wiederum ihre Leistungskraft verbessert.


9.      Vergiss die Work-Life-Balance!
Treffen sich die Leute abends zum Essen, dann ist häufig die Rede davon, wie lange einer noch arbeiten muss und wie er danach leben will. So mutieren Arbeit und Leben zu Konkurrenten, die es – Work­-Life Balance sei Dank – gegeneinander abzuwiegen gilt. Ist
dem wirklich so? - Natürlich ist das Unfug! Ausgeglichenheit ist eher im Längs- als im Querschnitt eines Lebens zu finden. Mal wiegt der Beruf schwerer, mal die Familie. Mach Dir deswegen keinen Stress. Solange die Waagschalen in Bewegung bleiben, lebst  Du.


10.  Arbeite in Deinen Hochphasen!
Bei jedem Menschen gibt es innerhalb eines Tages unterschiedliche Leistungsphasen. Entscheidend dafür ist die sogenannte Chronobiologie. Der Organismus, also der Stoffwechsel, die Organtätigkeit, die Konzentrationsfähigkeit – alles schwankt innerhalb eines Tages erheblich. Dabei unterscheiden sich vor allem die Frühaufsteher, auch Lerchen genannt, von den  Langschläfern, von vielen  (auch Eulen genannt), die auch abends noch hell wach sind und sich gut konzentrieren können. Diese Typen sind unabhängig von der Schlafmenge, die der Einzelne braucht. Ihre individuellen Leistungsphasen liegen stark zeitversetzt. Wer seinen eigenen Typ kennt und dies im Alltag berücksichtigt, kann seine Leistung, Kreativität und Produktivität deutlich verbessern. Schwierige Aufgaben lege möglichst in die Hochphasen, den lästigen Kleinkram in die Durchhängerphasen.







Christoph Frei

Donnerstag, 4. Mai 2017

Akademisches Lektorat: Meinsiebenundzwanzigster bester Schreibtipp für b...

Akademisches Lektorat:
Meinsiebenundzwanzigster bester Schreibtipp für b...
: Mein siebenundzwanzigster bester Schreibtipp für bessere Texte Die Kunst des Weglassens Einsteiger haben es oft schwer, d...

Mein siebenundzwanzigster bester Schreibtipp für bessere Texte




Die Kunst des Weglassens

Einsteiger haben es oft schwer, da beim wissenschaftlichen Schreiben die Trauben scheinbar besonders hoch hängen. Stil, Präzision, Textumfang und vieles mehr können Furcht einflössen. Die gelesenen Texte aus dem Wissenschaftsbetrieb mit ihrer Komplexität tun ihr Übriges.


Hierzu eine Anmerkung prinzipieller Natur: Der Kunst des Weglassens kommt besondere Bedeutung zu. Nicht selten mangelt es wissenschaftlichen Arbeiten (von der Hausarbeit bis zur Dissertation) am nötigen Zuschnitt, also an der Eingrenzung des Themas. Weil der (eigene) Anspruch hoch ist, kann es schnell passieren, dass der Modus „viel hilft viel“ greift und die Texte mit Wissen und Erkenntnissen überfrachtet werden, die bestenfalls am Rande zum Thema gehören. Dies kann dazu führen, dass das Erkenntnisinteresse bzw. die Fragestellung dezentriert wird und sogenannte Textteppiche entstehen. So schwer es auch fallen mag, ein guter wissenschaftlicher Text kreist konsequent um seinen Gegenstand und bezieht nur das ein, was zur Beantwortung der Fragestellung nötig ist.

Christoph Frei

Dienstag, 2. Mai 2017

Mein fünfundzwanzigster bester Schreibtipp für bessere Texte





Kausalität: (lat. causa ‚Ursache‘) ist die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung oder ‚Aktion‘ und ‚Reaktion‘, betrifft also die Abfolge aufeinander bezogener Ereignisse und Zustände“. Das eine verursacht das andere. Diese Form des Beweises ist deutlich schwerer zu erbringen, weil ausgeschlossen werden muss, dass auch (oder noch) andere Dinge zur Wirkung geführt haben.


Wenn beispielsweise ein Kind mit nassen Haaren bei 4 Grad ohne Mütze draussen herumgelaufen ist und am nächsten Tag krank wird, spricht man landläufig davon, dass das eine die Ursache des anderen sei. Das kann stimmen, muss aber nicht, weil wir nicht wissen, ob das Kind auch krank geworden wäre, wenn es eine Mütze auf dem Kopf gehabt hätte.


Die Ursache-Wirkungs-Relation ist vielleicht plausibel, zwingend ist sie nicht. Mit Kausalitäten sollte also immer vorsichtig umgegangen werden, nicht nur in den Geistes- und Sozialwissenschaften, sondern auch in den sogenannten Hard Sciences. In allen Fächern kommt es auf die formale und logische Auswertung von Ergebnissen an.


Ein Beispiel:

Rauchen verursacht Lungenkrebs.


Es stimmt zwar, dass Rauchen und Lungenkrebs korrelieren, dass Raucher also öfter daran erkranken als Menschen, die nicht rauchen. Ein Kausalzusammenhang ergibt sich jedoch nicht. Dieser wäre möglicherweise dann gegeben, wenn tatsächlich alle Raucher nach einer bestimmten Zeit und einer ebenso bestimmten Konsummenge an Lungenkrebs erkranken würden. Weil das aber nicht der Fall ist, besteht zwischen beiden Elementen kein kausaler Zusammenhang. Hier wird Korrelation und Kausalität verwechselt.


Christoph Frei