Donnerstag, 16. März 2017


Wie man seine Bachelorarbeit in den Sand setzt:  Die gängigsten Fehler




Der erste akademische Abschluss soll mit einer guten Note gekrönt werden! Freilich setzt man sich dadurch selber zusätzlich unter Druck.  Quälende Motivationstiefs wechseln sich mit hektischen Schreibphasen ab, etliche Entwürfe landen im Papierkorb, bis Du schliesslich mehr schlecht als recht etwas zusammengestiefelt hast, das halbwegs einer wissenschaftlichen Arbeit gleicht.

Eigentlich solltest Du mit der Bachelor-Arbeit die Fähigkeit beweisen, innerhalb einer vorgegebenen Frist ein Problem aus dem jeweiligen Fach selbständig nach wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten. Klingt gar nicht so schwierig, kann aber zur reinsten Qual werden, wenn Du die Arbeit zum Beispiel falsch aufgegleist hast. Diesen und andere Fehler gilt es zu vermeiden: 


1. Du wählst ein Thema, das Dich nicht wirklich interessiert.
Es ist hart genug, sich monatelang einem Thema zu widmen und 50 Seiten oder mehr damit zu füllen. Wenn Dir dann noch die intrinsische Motivation fehlt, der Fragestellung auf den Grund zu gehen, sind Schreibblockaden und Motivationstiefs vorprogrammiert. Dann helfen auch keine gutgemeinten Schreibtipps mehr.

2. Du wählst Dein Thema zu breit.
30, 40, 50 Seiten mögen Dir viel erscheinen, sind aber für die tiefgehende Bearbeitung einer Fragestellung sehr begrenzt. „Untersuchungen zur Bewusstseinsgestaltung fiktionalen Erzählens“ ist zum Beispiel ein viel zu allgemeines Thema. Eingeschränkt auf „Narrative Strukturen in Georg Büchners Lenz-Erzählung“ entspricht es schon eher dem Umfang einer Bachelor-Arbeit.

3. Du wählst ein Thema, zu dem Du wenig Vorwissen hast.
Ein Thema zur „Erzähltheorie“ scheint Dir reizvoll, in letzter Zeit hast Du Dich aber vor allem mit Brechts „Dramentheorie“ befasst. Du sparst Dir viel Zeit und Recherche-Aufwand, wenn Du bei Deinen Leisten bleibst. Idealerweise kannst Du mit dem Thema Deiner Bachelor-Arbeit sogar an vergangene Seminararbeiten anknüpfen.

4. Du fängst zu spät an.
Sobald Du das Thema mit Deinem Betreuer abgestimmt hast, solltest Du beginnen. Das geht auch, bevor Du Deine Bachelor-Arbeit offiziell anmeldest. Schreibe zu Beginn alles nieder, was Dir zu Deinem Thema einfällt. Leihe Dir gleich die wichtigste Literatur aus. So setzt Du Dich ein wenig selber unter Druck, Dich ins Thema einzulesen.

5. Du machst die Gliederung erst am Schluss.
Eine wissenschaftliche Arbeit bedeutet nicht, alles Relevante zu einem Thema zusammenzuschreiben und dann zu schauen, wie man es am besten in Kapitel einteilen könnte. Vielmehr solltest Du schon zu Beginn eine vorläufige Gliederung schreiben und diese dann Punkt für Punkt ausformulieren. Der grobe Aufbau Deiner Arbeit sollte stehen, bevor Du mit dem eigentlichen Schreiben anfängst. - Freilich brauchst Du hierzu Leitfragen.

6. Du sprichst nicht mit Deinem Betreuer.
Dein Betreuer ist nicht nur dazu da, Dein Thema abzusegnen und das fertige Werk entgegenzunehmen. In regelmässigen Gesprächen kann Dir seine Kritik helfen, Schreibblockaden zu lösen und Deine Arbeit voranzutreiben. Allein schon der Druck, bis zum nächsten Termin vom bisherigen Stand der Arbeit zu berichten, setzt das Reflektieren über Dein Thema und den Schreibprozess in Gang.

7. Du quälst Dich durch Schreibblockaden hindurch.
Wenn Du seit drei Tagen über Deiner Arbeit sitzt und einfach nicht vorankommst, quäle Dich nicht weiter, sondern nimm zwei bis drei Tage frei - nicht um im Internet zu surfen oder bei Netflix abzuhängen, sondern um Freunde in einer anderen Stadt zu treffen, Deine Tante zu besuchen oder Snowboarden zu gehen. Wenn Du danach Dein Geschriebenes noch einmal durchliest, kannst Du mit dem nötigen Abstand weiterschreiben.

8. Du unterschätzt die technischen Details.
Ausser dem eigentlichen Text gehören noch Inhaltsverzeichnis, Fussnoten und Literaturverzeichnis zu Deiner Bachelor-Arbeit. Und gerade bei diesen Formalitäten liegt der Teufel im Detail. Du kannst Dir viel zeitraubendes Klicken sparen, wenn Du Dich mit ein paar nützlichen Tools beschäftigst: Mit Formatvorlagen in Word gestaltest Du beispielsweise Überschriften, Zitate und Absätze einheitlich. Citavi hilft beim Erstellen des Literaturverzeichnisses und Latex erleichtert das Arbeiten mit Formeln. 

9. Du vergisst, ein Backup Deiner Arbeit anzulegen.
Speichere Deine Bachelor-Arbeit unbedingt doppelt ab. Viren infizieren Deinen Laptop besonders gerne dann, wenn Du es am wenigsten brauchen kannst. Also speichere Dein vorläufiges Werk nach jeder Schreib-Session an einem anderen Ort als Deinem PC, sei es auf einem USB-Stick oder in einer Cloud.

10. Du lässt die Arbeit nicht Korrektur lesen.
Formale Kriterien werden oftmals unterschätzt, obwohl diese zu wesentlichen Teilen in die Bewertung einfliessen. Dazu gehören eine einheitliche Zitierweise, möglichst keine Rechtschreibfehler und eine durchgängig einheitliche Formatierung. Auch solltest Du die Arbeit unbedingt von jemandem Korrektur lesen lassen, am besten von einem professionellen Lektor. Das bringt die nötigen Zusatzpunkte, damit Dein erster akademischer Abschluss mit einer guten Note bewertet wird. 

Christoph Frei


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